«...unsere Kunst ist eine Religion …» Der Briefwechsel Cosima Wagner – Hermann Levi

«… unsere Kunst ist eine Religion …»

Der Briefwechsel Cosima Wagner – Hermann Levi

Herausgegeben von Dieter Steil

Hermann Levi, ein in die deutsche Kultur hineingewachsener Sohn eines Rabbiners und erster Dirigent der Münchener Hofoper, war Richard Wagner von König Ludwig II. von Bayern mitsamt des Münchener Hoforchesters für die Uraufführung des Parsifal zur Verfügung gestellt worden. Zu dieser Zeit war Levi nicht nur schon ein bedeutender Wagner–Dirigent, sondern hatte sich bereits ganz in den Dienst dieses antisemitischen Dichter–Komponisten gestellt. Nun aber musste er sich fragen, ob er sich wegen des künstlerischen Triumphs, den christlich konnotierten Parsifal dirigieren zu können, taufen lassen sollte. 

 Der vorliegende Briefwechsel lässt deutlich erkennen, wie sehr Cosima Wagner, noch vor ihrem Mann, Levi mit missionarischem Eifer zu einem Religionswechsel drängt. Nur so könne er in das »Kloster Bayreuth« aufgenommen werden, als dessen Priorin sie auftritt. Ausgestattet mit solcher Autorität bedrängt sie den Parsifal-Dirigenten, der entscheidend zur Sicherung der Festspiele beigetragen hatte. Levis Einfluss hingegen geht in dem Maße zurück, in dem Cosima Wagner sich zielstrebig mit ergebeneren Mitarbeitern umgibt.

 Die Briefedition gibt Einblicke in Cosima Wagners Strategie, ihre Bayreuther Inszenierungen als neuen Maßstab des von ihr verachteten Opernbetriebs zu setzen und ihre Bemühungen, die kunsttheoretischen wie gesellschaftskritischen Schriften ihres Mannes in die aka­demische Lehre einzuführen. Dass Levi als Bayreuther Parsifal–Dirigent und als international anerkannter Wagner–Dirigent der Münchener Hofoper immer wieder in Loyalitätskonflikte zwischen den rivalisierenden oder streitenden Parteien Bayreuth und München gerät, spiegelt sich in vielfältiger Form in den Briefen. Und sie zeigen die Briefpartner im Gespräch über die Aufführungspraxis nicht nur von Wagners Werken, sondern auch über Levis hohen Anspruch an die Operninszenierung an sich.

(Quelle: VVK) 

Sammlung Musikwissenschaftlicher Abhandlungen Band 101 (2018)

Verlag Valentin Koerner, Baden-Baden

http://koernerverlag.de/

 874 Seiten, 13 Abbildungen, zahlreiche Notenbeispiele

ISBN 978-3-87320-601-4 

€ 56,-

Claudio Ortiz